{"id":2115,"date":"2023-06-19T16:12:05","date_gmt":"2023-06-19T14:12:05","guid":{"rendered":"https:\/\/info.logistics-alliance-germany.de\/wir-werden-mit-wasserstoff-fliegen\/"},"modified":"2023-07-11T11:44:33","modified_gmt":"2023-07-11T09:44:33","slug":"wir-werden-mit-wasserstoff-fliegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/info.logistics-alliance-germany.de\/de\/wir-werden-mit-wasserstoff-fliegen\/","title":{"rendered":"\u201eWir werden mit Wasserstoff fliegen\u201c"},"content":{"rendered":"","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Pandemie-bedingten Boom haben sich die Verh\u00e4ltnisse in der Luftfrachtbranche normalisiert. In einem Thesencheck ordnet Marktexperte Prof. Christopher W. Stoller Trends und m\u00f6gliche Entwicklungen ein.  <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2110,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2115","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sustainability-de"],"acf":{"bildunterschrift":"Die Player der Luftfrachtbranche m\u00fcssen sich auf neue Herausforderungen einstellen.","foto-credit":"Lufthansa Technik, DHBW L\u00f6rrach","autor":"Sven Benn\u00fchr","gastautor_firmaposition":"","zuerst_publiziert":"Dieser Artikel erschien zuerst in der DVZ \u2013 Deutsche Verkehrs-Zeitung","absatz_1_bis_3":"<h2>In den kommenden zw\u00f6lf Monaten werden sich Player wie etwa Aliscargo aus Italien oder ZFG Air aus UK, die neu in den Markt eingestiegen sind, wieder verabschieden.<\/h2>\r\n<p><strong>Falsch.<\/strong> Lange Zeit war der Luftfrachtmarkt kaum f\u00fcr Newcomer zug\u00e4nglich, da der Markt vorwiegend durch eher niedrige Margen gekennzeichnet war. Als die Pandemie die Preise f\u00fcr Luftfracht in die H\u00f6he trieb, bauten bestehende Anbieter ihre Kapazit\u00e4t aus und neue traten in den Markt ein. Aliscargo und ZFG Air sind daher nur zwei Beispiele in einer Reihe von neuen Luftfrachtgesellschaften der letzten Jahre, die im Zuge hoher Raten, knapper Kapazit\u00e4ten und dem E-Commerce- Boom gegr\u00fcndet wurden. Doch der Luftfrachtmarkt ist nach wie vor hart umk\u00e4mpft, und zuletzt war die Nachfrage eher wieder r\u00fcckl\u00e4ufig. In diesem Markt ist es f\u00fcr Newcomer schwer, sich gegen die gro\u00dfen und etablierten Fluggesellschaften zu behaupten. So scheint es vielleicht wenig \u00fcberraschend, dass Alis Cargo mittlerweile die Betriebslizenz verloren hat. Doch mit einem guten Konzept k\u00f6nnen auch neue Player am Markt bestehen.<\/p>\r\n<h2>Frachtflugzeuge werden immer ben\u00f6tigt.<\/h2>\r\n<p><strong>Richtig. <\/strong>Die Instabilit\u00e4t von Lieferketten ist w\u00e4hrend der Pandemie schmerzlich sp\u00fcrbar geworden. Um die Risiken zu reduzieren, spielt die Diversifizierung von Transportmitteln und \u2011wegen eine wichtige Rolle, um jenseits des stark belasteten internationalen Containerverkehrs eine weitgehend ungest\u00f6rte Warenzirkulation zu erm\u00f6glichen. Hierbei kam der Luftfracht eine noch gr\u00f6\u00dfere Bedeutung f\u00fcr die Versorgung von Gesellschaft und Wirtschaft zu. Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen trug sie dazu bei, die globalen Liefer- und Versorgungsketten aufrechtzuerhalten und dabei auch den weltweiten Transport wichtiger pharmazeutischer und medizinischer G\u00fcter sicherzustellen. Auch in Zukunft geht es nicht ohne Luftfracht. Die Branche sorgt daf\u00fcr, dass Waren zuverl\u00e4ssig, sicher und schnell von A nach B transportiert werden und leistet damit einen entscheidenden Beitrag f\u00fcr das soziale und wirtschaftliche Leben.<\/p>\r\n<h2>Die Dekarbonisierung des Luftfrachtsektors kann nur durch den vollst\u00e4ndigen Umstieg auf SAF gelingen.<\/h2>\r\n<p><strong>Teilweise richtig. <\/strong>Sustainable Aviation Fuels (SAF) sind ein wichtiger Hebel f\u00fcr nachhaltigen Luftfrachtverkehr und eine kurzfristig realisierbare L\u00f6sung, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Verf\u00fcgbarkeit von Biokerosin ist jedoch noch stark limitiert, und die Kosten betragen das Zwei- bis Dreifache im Vergleich zu fossilem Kerosin. Power-to-Liquid, also die Umwandlung von Strom in regenerative Treibstoffe, k\u00f6nnte beispielsweise eine langfristige L\u00f6sung f\u00fcr gr\u00fcneren Treibstoff in der Luftfracht sein. Doch die Dekarbonisierung im Luftfrachtverkehr wird nicht nur \u00fcber den Treibstoff erfolgen, sondern auch \u00fcber Digitalisierung sowie effizientere Motoren und Triebwerke. So kann die Digitalisierung beispielsweise dazu beitragen, Routen zu optimieren und Kapazit\u00e4ten effizienter auszulasten. Auch andere Antriebe werden in Zukunft eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Elektrisches Fliegen wird wahrscheinlich auf der Kurzstrecke zum Einsatz kommen. Und wir werden in Zukunft sehr sicher auch mit Wasserstoff fliegen. Damit die Dekarbonisierung gelingt, m\u00fcssen die entscheidenden Schritte jedoch in Industrie und Politik unternommen werden.<\/p>\r\n<h2>Mit Wasserstoff betriebene Frachtflugzeuge werden auch mittelfristig keine sinnvolle Option sein.<\/h2>\r\n<p><strong>Teilweise richtig. <\/strong>Gr\u00fcner Wasserstoff gilt bei verschiedenen Verkehrstr\u00e4gern als Schl\u00fcsselelement f\u00fcr die Energiewende. Auch im Bereich der Luftfracht wird Wasserstoff eine entscheidende Rolle mit Blick auf das Flugzeug der Zukunft spielen. Hersteller wie beispielsweise Airbus arbeiten bereits an Flugzeugmodellen, die auf Wasserstofftechnologie setzen. Der gro\u00dfe Unterschied zwischen Wasserstoff und SAF ist jedoch, dass man bei Wasserstoff eine v\u00f6llig andere Infrastruktur ben\u00f6tigt \u2013 nicht nur bei den Flugzeugen selbst, sondern auch am Boden an den Flugh\u00e4fen. Bis Wasserstoff fl\u00e4chendeckend im Einsatz ist, wird es daher noch dauern, so dass die Branche kurz- bis mittelfristig weiter auf SAF setzen wird.<\/p>\r\n<h2>Der zunehmende Fachkr\u00e4ftemangel k\u00f6nnte nur durch konsequentes Insourcing behoben werden.<\/h2>\r\n<p><strong>Richtig.<\/strong> Der Fachkr\u00e4ftemangel stellt eines der gr\u00f6\u00dften Gesch\u00e4ftsrisiken f\u00fcr Unternehmen dar und z\u00e4hlt gleichzeitig branchen\u00fcbergreifend zu den gr\u00f6\u00dften Herausforderungen unserer Zeit. Dies betrifft auch die Logistik- und Luftfahrtbranche und damit im besonderen Ma\u00dfe auch den Luftfrachtsektor.Viele Arbeitskr\u00e4fte haben sich w\u00e4hrend der Pandemie beruflich umorientiert, sind in Rente gegangen oder wurden entlassen. Gleichzeitig konnten Stellen nicht nachbesetzt werden, denn auf dem Arbeitsmarkt gibt es derzeit keine Reserven, um die L\u00fccken zu f\u00fcllen. Dieser Engpass wird in den kommenden Jahren zunehmend zum Problem, denn die Nachfrage nach Luftfracht ist beispielsweise durch den wachsenden E-Commerce ungebremst. Um dem Fachkr\u00e4ftemangel entgegenzuwirken, m\u00fcssen die Unternehmen in der Luftfrachtbranche innovative L\u00f6sungen entwickeln. Dazu geh\u00f6ren Ma\u00dfnahmen wie die F\u00f6rderung von Nachwuchskr\u00e4ften und die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen ebenso wie die Steigerung der Wertsch\u00e4tzung, um Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und Bildungseinrichtungen und ein insgesamt noch st\u00e4rkerer Fokus auf die Aus- und Weiterbildung k\u00f6nnen dazu beitragen, Arbeitslose zu aktivieren und neue Fachkr\u00e4fte zu gewinnen.<\/p>\r\n<h2>Die deutsche Luftfracht muss die sehr strengen Sicherheitsregeln aufgeben.<\/h2>\r\n<p><strong>Richtig.<\/strong> Sicherheit spielt im Luftverkehr eine enorm wichtige Rolle, und dies wird auch in Zukunft so bleiben. Jedoch riskiert das Luftfahrtbundesamt mit b\u00fcrokratischen H\u00fcrden die Abwanderung von Fracht ins Ausland sowie weitere personelle Engp\u00e4sse bei der Luftfrachtabfertigung. Allein die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung f\u00fcr neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauert in Deutschland vier bis sechs Wochen, w\u00e4hrend die \u00dcberpr\u00fcfungen au\u00dferhalb Deutschlands nur wenige Tage in Anspruch nehmen. Auch das sogenannte Sonderkontrollverfahren f\u00fcr G\u00fcter in verschlossenen Beh\u00e4ltern wie zum Beispiel Klebstoffe, das Deutschlands Flugh\u00e4fen jahrzehntelang ohne jeglichen Zwischenfall praktizierten, strich die Beh\u00f6rde des Bundesverkehrsministeriums ersatzlos. Dies hat zur Folge, dass die Fracht per Lkw zu Flugh\u00e4fen in anderen EU-L\u00e4ndern transportiert wird, wo es weiterhin solche Sonderkontrollverfahren gibt. Nach der Erteilung des Sicherheitszertifikats werden die G\u00fcter wieder zur\u00fcck transportiert, denn die Zertifikate gelten EU-weit und damit auch in Deutschland. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass die deutschen Sicherheitsregularien zu b\u00fcrokratisch sind und eine Vereinheitlichung zumindest in der EU sinnvoll ist. Ansonsten droht in Deutschland eine zus\u00e4tzliche Versch\u00e4rfung der anhaltenden Personalengp\u00e4sse sowie mittelfristig die Abwanderung von Luftfrachtverkehren in das Ausland.<\/p>\r\n<h2>Im Zuge der Klimakrise wird es in der Luftfracht zu einer Verzichtsdebatte kommen.<\/h2>\r\n<p><strong>Richtig.<\/strong> Vor allem verderbliche Lebensmittel werden per Luftfracht transportiert. Letztendlich entscheiden jedoch die Konsumenten dar\u00fcber, welche Lebensmittel in den Supermarktregalen landen. Im Zuge der Klimakrise erachte ich eine Debatte dar\u00fcber, ob es beispielsweise Erdbeeren zu Weihnachten braucht, durchaus als sinnvoll. Schon jetzt verzichten Discounter und Superm\u00e4rkte auf den Import von Obst und Gem\u00fcse via Luftfracht und setzen stattdessen vermehrt auf regionale und saisonale Produkte. Dadurch werden sich \u00fcber kurz oder lang auch das Kaufverhalten und letztendlich die via Luftfracht transportierten G\u00fcter ver\u00e4ndern. <em>(ben)<\/em><\/p>","absatz_4_bis_ende":"","zitat":"","zitatgeber":"","zitatgeber_firma":"","zahl":"","zahl_beschreibung":"","zweites_bild":null,"zweites_bild_bu":"","zweites_bild_foto-credit":"","kasten_headline":"Zur Person Prof. Christopher W. Stoller","kasten_text":"Der international erfahrene Logistikexperte ist Studiengangsleiter BWL mit Schwerpunkt Spedition, Transport und Logistik an der Dualen Hochschule Baden-W\u00fcrttemberg. 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